konzept historisches impressionen


Raum für Soziokultur

Was ist der Tempel: Der Tempel auf dem Gelände der ehemaligen Seldeneck'schen Brauerei ist nicht nur ein einmaliges, denkmalgeschütztes Gebäude. Er ist seit 1984 auch ein unabhängiges soziokulturelles Zentrum, getragen vom Kulturverein Tempel e.V. als Initiator und Vermieter. Das Kulturzentrum umfasst Bau I, welcher in Besitz des Kulturvereines ist, und Bau II (nicht mehr im Besitz/Erwerb geplant). Einmalig für Karlsruhe ist dabei, dass der Tempel nicht nur eine Bühne für Veranstaltungen ist, sondern vor allem eine "Brutstätte" für Kunst, Kultur und Soziales. Hier wird in Ateliers und auf Bühnen gearbeitet und geprobt. Hier gibt es die für Künstler und Kulturschaffende raren Räume v o r dem großen Auftritt in der Öffentlichkeit. Und für Jugend-, Stadtteil- und Kultur-Vereine den Platz, ihr Engagement zu entwickeln.

Was passiert im Tempel: Die Aufgabe, ein Kulturdenkmal mit lebendiger Kultur zu erfüllen, bildet die Basis und den Anspruch für gemeinsames Handeln. Nicht nur im "handwerklichen" Sinn, sondern im sozialen und kulturellen. Im Tempel entstehen durch seine Initiativen Kulturprojekte, wie sie nur durch die räumliche Nähe, das Schaffen einer gemeinsamen Infrastruktur und das tägliche Miteinander möglich sind. Diese Kooperationen münden in regelmäßige und einzelne Veranstaltungen für die Öffentlichkeit.

Wohin will der Tempel: Damit dies auch in Zukunft möglich sein kann, muss das bestehende und erarbeitete Fundament "Tempel" ausgebaut und gesichert werden. Dies kann nur unter Einbeziehung aller Gebäude erfolgreich verwirklicht werden. Es muss weiter in die immer noch und immer wieder restaurierungsbedürftige Architektur investiert und die organisatorische Infrastruktur zur Förderung aller sich im Tempel engagierenden Initiativen verbessert werden. Denn das Ziel des Kulturverein Tempel e.V. für die kommenden Jahre ist: Noch mehr soziokulturelles Zentrum zu sein, aus dem Kultur entsteht und das Kultur für alle bietet. Das verstärkt Kooperationen zwischen den Initiativen und Kulturschaffenden innerhalb des Tempels. Das durch eine verbesserte und einheitliche Außenwirkung ein interessanter Ort für Gäste aus allen Bereichen der Kultur ist. Das mit diesem Mix aus eigenen Leistungen und Begegnungen mit Externen attraktive Kulturarbeit für die Stadt Karlsruhe und ihre Öffentlichkeit bietet.

Der Verein: Träger und Initiator des soziokulturellen Zentrums ist der Kulturverein Tempel e.V., der zudem als Vermieter für die ca. 50 Mietparteien fungiert. Der Kulturverein Tempel e.V. versteht sich als Kulturförderverein der ansässigen Initiativen und Kulturschaffende.

Die Initiativen, Künstler und Musikgruppen: Ca. 50.000 - 60.000 Besucher jeden Alters nutzen jährlich die regelmäßigen

Angebote des Tempels.
Die Kurse der Kindermalwerkstatt (Gablonzer Str.) werden ca. von 600 Kinder im Jahr besucht. Der Verein arbeitet zu dem mit örtlichen Kindergärten und Schulen zusammen, bietet Fortbildungsangebote für Erzieherinnen und Lehrerinnen sowie Malkurse und Töpfern für Erwachsene an.
Ein breites Spektrum an Kursen in Tanz findet man bei der Tanztribüne und auch im Café Havanna. Außerdem sind im Tempel ca. ein Viertel aller Mühlburger Vereine ansässig, u.a. der Karlsruher Wandervogel e.V. und zahlreiche freischaffende Künstler und Musikbands.

Die Veranstaltungen: Rund 30.000 Besucher pro Jahr ziehen die Konzerte lateinamerikanischer Musik im Café Havanna, Aufführungen der Tanztribüne, Designausstellungen der PHOS-Galerie (Werkbund), regelmäßige Jazz-Sessions sowie die Tango-Workshops der Tanztribüne an. Zudem hat sich das Internationale Tanztheaterfestival (seit 1996 alle zwei Jahre) der Tanztribüne als Treffpunkt der unabhängigen Tanzavantgarde etabliert.

25 Jahre Kulturzentrum Tempel - ein lebendiger Raum für die Sozio-KulturDer Tempel ist seit 1984 mit viel ehrenamtlichem Engagement ein fester Bestandteil der Soziokultur in Karlsruhe geworden. Damit diese tempeleigene Soziokultur - "als Hefe im Teig der etablierten Kultur - auch weiterhin gären kann, braucht sie eine warme Umgebung. Der Kulturverein Tempel e.V. als Kulturförderverein der ansässigen Initiativen und Kulturschaffenden benötigt deshalb auch weiterhin die Unterstützung der kulturwollenden politisch Verantwortlichen, die Akkzeptanz und Toleranz der Anwohner und Mitbürger in der Nachbarschaft und im Stadtteil und natürlich weiterhin das große persönliche und oftmals ehrenamtliche Engagement vieler Mitmenschen.

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ehem. Seldeneck'sche Brauerei - heute

Gegründet wurde die Brauerei 1771 von Prinz Wilhelm Ludwig von Baden, der Bruder des späteren Großherzogs Karl Friedrich, an der heutigen Stelle hinter seinem schon früher erbauten Landschlösschen (heute Kammerkirsch-Verwaltung).
Ansicht Bau I
Ansicht Bau I

Den Namen Seldeneck gab es erst später. Wilhelm Ludwig heiratete nämlich, nicht standesgemäß, eine bürgerliche Frau namens Schortmann und wurde deshalb von seiner Familie gemieden. Erst als sich herausstellte, dass seine Frau fleißig, tüchtig und auch geschäftlich versiert war, gab es eine Annäherung und der Mangel der unstandesgemäßen Herkunft wurde durch die Verleihung des ausgestorbenen Namens Freiin von Seldeneck beseitigt.
Eine Brauerei war in Mühlburg eine sinnvolle Einrichtung: Zwar hatte Mühlburg kaum mehr als 800 Einwohner, aber es gab derart viele Wirtschaften, dass sich der Bürgermeister zu Maßnahmen der Beschränkung veranlasst sah.
Chronisten bestätigen, dass das Mühlburger Völkchen zumindest damals einen ausgeprägten Hang zum Gerstensaft hatte. Auch von dem Brauereiinhaber selbst erzählt man sich noch heute derbe und deftige Anekdoten.
Aus der Brauerei Seldeneck wurde dann die Mühlburger Brauerei AG, aus deren Zeit wir in einem Mauerhohlraum noch eine alte Bierflasche mit Relief-Inschrift und Schnappverschluss gefunden haben. Die Gebäudeanordnung entsprach bereits überwiegend den heutigen Grundrissen, es gibt da ein beeindruckendes Gemälde mit Sicht vom Kirchturm aus auf das Areal, auf dem auch die damaligen Fortbewegungsmittel Pferde und Kutscherwagen und mit unverhohlenem Stolz zahlreiche rauchende Kamine abgebildet sind.

Rückansicht Bau I
Rückansicht Bau I

Drastische Neu- und Umbauarbeiten veränderten die Fassade des Architekten Ziegler und führten zum heutigen Erscheinungsbild. Eine Art "Hollywood"-Fassade erweckt außen den Eindruck einer alten Burg, während im Inneren ziemlich nüchtern die Produktionsbedingungen erfüllt wurden (z.B. im Keller unter den Sudkesseln drei Meter dicke Fundamente). Ein optischer Kniff ließ die Gebäude höher erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind: Die unteren Fenster sehr groß, mit großem Sprossenraster, darüber kleinere Fenster mit mittelgroßem Raster und oben sehr kleine Sprossen/Fenster.
Die AG existierte jedoch nicht lange: Die Brauerei Sinner kaufte die Braurechte und ließ ein Brauverbot auf dem gesamten Areal eintragen. Das Grundstück selbst wurde dann für eine Million Goldmark an die Fabrikanten Heckeroth & Fregonnau verkauft, die aus Metz kommend eine Produktionsstätte für ihre Konservenfabrik namens "Brenner" suchten.
Von Freiherrn von Seldeneck mietete man das mehrfach umgebaute Schlösschen. Das Gelände erstreckte sich von der Lerchenstraße bis zur Sonnen- und Hardtstraße. Später wurden Anteile des Geländes an die Firmen Kammerkirsch und Danzas sowie an Wohnungsbauunternehmen verkauft.
Die Konservenproduktion florierte, Belegkirschen, Erbsen und ähnliches wurde Bahnwagon für Bahnwagon eingedost. Es existiert übrigens noch eine ungeöffnete Original-Erbsendose, nur das Haltbarkeitsdatum ist abgelaufen.
Während des Krieges verpflichtete man den Betrieb zwangsweise zur Heeresverpflegung. Gleichzeitig wurden die meisten Fenster zugemauert und im Keller eine umfangreiche Bunkeranlage für die Belegschaft und die umliegende Bevölkerung eingerichtet. Mehrfach fielen Brandbomben auf die Dächer, die unter Lebensgefahr von Freiwilligen entfernt und gelöscht wurden. Besonders in Bau II sind diese Brandspuren noch im Bereich der abgeplatzten Sandstein-Fensterlaibungen abzulesen.
Sicherlich haben einige Mühlburger diesen Gemäuern ihr Leben zu verdanken. Es gab unterirdische Verbindungen zu Kammerkirsch, von dort weiter unter das "Rheingold" bis in den Landgraben.
Nach dem Krieg konnte der Konserven-Betrieb leider nicht aufrechterhalten werden. Zu schwierig war die Rohmaterialbeschaffung und die neue Marktsituation. Daher wurden die Gebäude so, wie sie waren, untervermietet. Firmen wie Siemens, Kondima, Neurohr-Werkzeuge, Getränke Schäfer und sogar Fa. Möbelmann waren Mieter.

Ansicht Bau II in Richtung RheinstraßeI
Ansicht Bau II in Richtung Rheinstraße

Schließlich kam 1984 der Kulturverein Tempel e.V., zuerst nur auf der Suche nach Proberäumen. Schnell wurde klar, dass hier ein umfassendes Gesamtkonzept nötig wäre. Dank der verständnisvollen Erben der ehemaligen Konservenfabrik, die auch heute noch Eigentümer eines Teils des Geländes sind, konnten wir die Gebäude zum Kulturzentrum umbauen. 1995 konnten wir dann Dank eines Zuschusses der Stadt Karlsruhe in Höhe von 700.000,- Deutsche Mark Bau I ankaufen.
Seit 1984 sind die vermauerten Fenster wieder offen und 2009 feiern wir fünfundzwanzigjähriges Jubiläum. Die Gebäude sind als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt.

Verfasser: Willi Schönauer u. Tobias Schmöger
Pläne: Büro für Bauwesen (ehem.)
gezeichnet von Mayella de Moebel u. Willi Schönauer

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