Lorenz Raab Bleu - Strong Relation

Freitag, 15. Okt. 2010  20:30 Uhr  Scenario Halle

Lorenz Raab Bleu - Strong Relation

Poesie und Power

Lorenz Raab – trumpet, flügelhorn, harmonium

Ali Angerer – tuba electric dulcimer, kantele

Rainer Deixler – drums, percussion  

„Dies ist eine großartige Zeit für die Trompete“, konstatierte Dave Douglas. Als einer der Besten seines Fachs weiß er genau, wovon er spricht. Im Windschatten von Chet Baker und Miles Davis wird ein Instrument  neu positioniert, das dem humanen Gesang am nächsten ist. In voller Breitseite zwischen spitzen Attacken und schwelgerischer Melancholie meldet sich die nächste Generation. Höchstens dem immer noch und immer mehr anhaltenden Sängerinnen-Boom ist das vergleichbar. Allenthalben neue Namen. Da bedarf es schon originärer Fähigkeiten und unverwechselbarer Konzepte, will man sich im diesem Kontext abheben. Der Österreicher Lorenz Raab (Jahrgang 75) verfügt  über beides in ganz außerordentlichem Maß. Auch deswegen hat er es gar nicht nötig, das orthodoxe Thema-Solo-Thema-Ding zu strapazieren oder anderswie unsere Hörgewohnheiten zu bestätigen. Vielmehr flirtet er mit Jazz, Pop und Rock, mit Groove und Beats, mit Klassik und Volksmusik sogar, wie man das so noch nicht gehört hat. Im Ergebnis entsteht etwas unbedingt Zeitgemäßes, das überraschend eingängig ist, originell und unverbraucht. Daheim bekam Raab dafür 2003 und 2004 gleich zweimal den renommierten Hans Koller-Preis, trat auf wichtigen  Festivals auf und ist enorm nachgefragt bei den Kollegen.

Lorenz Raab wuchs als Sohn eines Kapellmeisters in Oberösterreich auf, heute ist er erster Trompeter der Wiener Volksoper. Unter Granden wie Kent Nagano, Claudio Abbado oder Pierre Boulez praktizierte er Disziplin im Dienste einer Sache. Die Freiheit der Improvisation aber lotet er in eigenen Bands aus, die über die Jahre stabil geblieben sind. Gern besetzt er sie ungewöhnlich. In seiner „:XY Band“ zum Beispiel versammelt er neben sich zwei Kontrabässe, Drums und Zither. Gern führt er das Ganze in die Nähe des Rock und lässt es mit  moderner DJ-Technik verfremden. „Zoé“ heißt das Oktett, in dem er seine beiden Bands zusammenführt: :XY und BLEU. Routine und Redundanz sind ihm fremd, deswegen sind seine Projekte so erfrischend neben jeder Szene-Hermetik.

Immer neue Klangbilder interessieren ihn. Und man wird lange suchen müssen, will man eine Formation finden, die Überraschendes und wie selbstverständlich Schönes mit so anmutiger Leichtigkeit fusioniert wie sein Trio BLEU. Zehn Jahre schon existiert das Trio mit Drummer und Perkussionist Rainer Deixler und Ali Angerer an Tuba und Dulcimer. Dies ist ihre dritte CD. Immer weiter hat sich das Zusammenspiel verfeinert. Die Besetzung ist unorthodox, was man hört, ist frappierend stringent, von wundervoller Transparenz und Leichtigkeit. Das lässt einem gar nicht erst die Zeit, über die sonderbare Instrumentierung nachzudenken.